Sechs PMI-Clustermitglieder sind „Highly Cited Researcher“ 2022

Zu den weltweit am häufigsten zitierten Forschenden 2022 zählen auch sechs Mitglieder des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“.

Einmal im Jahr analysiert die „Web of Science-Group“ des US-Unternehmens Clarivate Analytics die Bedeutung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anhand ihrer Zitationsraten. Forschende, deren Arbeiten besonders häufig von Fachkolleginnen und -kollegen zitiert werden, gelten als besonders bedeutend und einflussreich in ihrem Gebiet. Das Ranking „Highly Cited Researchers" listet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im letzten Jahrzehnt an mehreren der Top-ein-Prozent der meistzitierten Publikationen ihres Fachgebiets beteiligt waren.

2022 standen 6.938 der weltweit Forschenden aus 21 Forschungsfeldern auf der Liste. Darunter sechs Mitglieder des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) aus Kiel und Lübeck: Axel Hauschild, Rolf Hilgenfeld, Christine Klein, Frank Leypoldt, Stefan Rose-John und Stefan Schreiber.

Über das Ranking

Grundlage der Auswertung ist die Datenbank „Web of Science Core Collection“. Diese listet wissenschaftliche Artikel aus rund 21.000 Fachzeitschriften auf. Für die diesjährige Liste der „Highly Cited Researchers“ wurde der Zeitraum 2011 bis 2021 analysiert. Das Ranking ist ein wichtiger Indikator für den Einfluss wissenschaftlicher Publikationen, die zu dem meistzitierten ein Prozent ihres Fachs gehören. 2022 standen 6938 der weltweit Forschenden aus 69 Ländern auf der Liste.

Das Ranking:

Link zum Ranking von Clarivate Analytics

https://clarivate.com/highly-cited-researchers/

Porträtfoto
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

„Highly Cited Researcher“ in der Kategorie „Clinical Medicine“: Prof. Dr. Dr. hc. Stefan Schreiber ist Sprecher des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI), Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie, CAU und UKSH, und Direktor der Klinik für Innere Medizin I des UKSH, Campus Kiel.

Stefan Schreiber – Innovative Ansätze für chronisch entzündliche Erkrankungen

Die Mechanismen von Entzündungen und die Entwicklung neuer Therapien für chronisch entzündliche Erkrankungen sind seit vielen Jahren der Forschungsschwerpunkt von Professor Stefan Schreiber. Aufbauend auf neuen molekularen Erkenntnissen erforscht er innovative Ansätze zur Prävention und Therapie dieser Krankheiten. Auf Schreibers Initiative formierte sich 2004 das Netzwerk Entzündung an Grenzflächen (Inflammation at Interfaces), das von 2007 bis 2018 über die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wurde und seit 2019 als Exzellenzcluster Precision Medicine in Chronic Inflammation (PMI) weitergeführt wird. 2020 hat Schreiber den renommierten Forschungspreis des Dachverbands der europäischen Fachgesellschaften für Gastroenterologie, der UEGF, erhalten, um eine neue Therapie für Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auf Basis einer molekularen Ernährungsintervention zu entwickeln. Mit dem Ziel, Entzündungen nicht organfixiert, sondern ganzheitlich zu behandeln, entwickelte er die Idee zu einer interdisziplinären Entzündungsklinik. Seit 2009 werden im Exzellenzzentrum für Entzündungsmedizin am UKSH, Campus Kiel, Patientinnen und Patienten nach dieser Idee betreut.

Schreiber wurde 2005 mit dem Wissenschaftspreis der Stadt Kiel ausgezeichnet und steht seit 2017 zum sechsten Mal in Folge auf der Liste der "Highly Cited Researchers". Als leitender Prüfarzt hat er mehr als 80 klinische Studien im Bereich der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa begleitet, davon mehr als 50 als federführender Studienleiter. Er ist Mitglied in diversen Fachgesellschaften, führte bei zahlreichen nationalen und internationalen Tagungen den Vorsitz, ist Mitherausgeber von internationalen Fachzeitschriften und Autor beziehungsweise Mitautor von mehr als 950 Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften.

Axel Hauschild – Therapeutische Fortschritte beim schwarzen Hautkrebs

Seit seiner Zeit als Assistenzarzt in der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des UKSH, Campus Kiel, vor mehr als 30 Jahren interessiert sich Professor Axel Hauschild für Hautkrebs, speziell für das maligne Melanom, den schwarzen Hautkrebs, einen hochgradig bösartigen Tumor. Durch Einführung neuer Medikamente konnte die Behandlung bei fortgeschrittener Erkrankung in den letzten Jahren deutlich verbessert werden. „Das 5-Jahres-Überleben, das als ein Maß für die Heilung herangezogen wird, lag 2010 für das fortgeschrittene Melanom bei 5% und liegt jetzt bei 52%. Aber auch beim hellen Hautkrebs gibt es jetzt wirksame Therapien - auch für nicht-operable Patientinnen und Patienten mit sehr großen und metastasierten Tumoren“, betont Hauschild, der einen großen Anteil an diesem Erfolg hat.

Hauschild war Studienleiter von mehr als 120 klinischen Studien zu verschiedenen Hautkrebserkrankungen, wurde zu mehr als 700 Konferenzen auf der ganzen Welt eingeladen und hat 440 Artikel in hochrangigen wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht. Seit 2019 steht er zum vierten Mal in Folge auf der Liste der "Highly Cited Researchers". In Anerkennung seiner klinischen und wissenschaftlichen Leistungen für die Hautkrebstherapie erhielt Hauschild 2003 den Deutschen Hautkrebspreis und 2011 den Deutschen Krebspreis der Deutschen Krebsgesellschaft. Er ist langjähriges Vorstandsmitglied der European Association of Dermato-Oncology (EADO), war 8 Jahre lang Präsident der Deutschen Hautkrebsgesellschaft (ADO) und je zweimal Präsident des Deutschen Hautkrebs-Kongresses und des Melanom-Weltkongresses, wo er 2021 zum Präsidenten der Melanoma World Society (MWS) gewählt wurde.

Axel Hauschild
© privat

„Highly Cited Researcher“ in der Kategorie „Clinicial Medicine“: Prof. Dr. Axel Hauschild, Mitglied im Exzellenzcluster PMI, ist Oberarzt und Leiter der Arbeitsgruppe „Dermatologische Onkologie“ an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des UKSH, Campus Kiel.

Portraitfoto
© thomas berg / www.bilderberg.tv

„Highly Cited Researcher“ in der Kategorie „Cross-Field“: Prof. Dr. Dr. h.c. Rolf Hilgenfeld, Mitglied im Exzellenzcluster PMI, ist Seniorprofessor am Institut für Molekulare Medizin der Universität zu Lübeck.

Rolf Hilgenfeld – Coronavirus-Forschung der ersten Stunde

Professor Hilgenfeld ist Experte für biochemische Strukturforschung. Seine Forschungstätigkeit begann er in der pharmazeutischen Industrie: Vor 1995 war er an der Entwicklung des Langzeitinsulins "Lantus" beteiligt. Sein Forschungsschwerpunkt ist die strukturelle Aufklärung von  Coronaviren. Im Zuge der ersten SARS-Epidemie 2002/2003 klärte er die weltweit ersten beiden Kristallstrukturen von Coronavirus-Proteinen auf und lieferte erste Erkenntnisse zur Entwicklung potenzieller neuer Hemmstoffe. Als SARS-CoV-2 im Januar 2020 ausbrach, hat seine Arbeitsgruppe als erste die Kristallstruktur der Hauptprotease dieses Virus aufgeklärt und auf dieser Basis einen neuen Hemmstoff entwickelt. Die Ergebnisse wurden in Science publiziert. Diese Arbeiten dienen als Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente gegen SARS-CoV-2 (z.B. Nirmatrelvir/Paxlovid und Ensitrelvir).

Professor Dr. Rolf Hilgenfeld ist Biochemiker und Seniorprofessor am Institut für Molekulare Medizin der Universität zu Lübeck. Er hat bereits den Vorgänger-Exzellenzcluster "Inflammation at Interfaces" mitbegründet und ist weiterhim Mitglied im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI).

Christine Klein – Erbliche Ursachen von Bewegungsstörungen

Professorin Christine Kleins zentrales Forschungsinteresse gilt den erblichen Ursachen von Bewegungsstörungen, wie den familiären Parkinsonsyndromen oder Dystonien, einer Gruppe von Bewegungsstörungen, die ihren neurologischen Ursprung in den motorischen Zentren im Gehirn haben. Prof. Kleins Fokus liegt dabei besonders auf der Fragestellung, weshalb viele Menschen, die Träger einer krankheitsverursachenden genetischen Mutation sind, nicht erkranken, sondern gesund bleiben und wie sich die genetische Ausstattung der Erkrankten auf den Therapieerfolg auswirken kann.

Professorin Christine Klein ist Direktorin des Instituts für Neurogenetik und Leiterin der Sektion Neurogenetik an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck und Vorstandsmtglied im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI). Sie ist amtierende Past-Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (mehr als 11.000 Mitglieder), „Chair-Elect of the European Section of the International Parkinson and Movement Disorder Society“, Sprecherin der DFG-Forschungsgruppe FOR 2488 zu reduzierter Penetranz von Bewegungsstörungen und Leiterin des „Monogenic Network of the Global Parkinson’s Genetics Program“.

Portraitfoto
© C. Westenberger, Uni Lübeck

„Highly Cited Researcher“ in der Kategorie „Cross-Field“: Prof. Dr. Christine Klein, Mitglied im Exzellenzcluster PMI, ist Direktorin des Instituts für Neurogenetik der Universität zu Lübeck.

Frank Leypoldt
© UKSH

„Highly Cited Researcher“ in der Kategorie „Neuroscience and Behavior“: PD Dr. Frank Leypoldt, Mitglied im Exzellenzcluster PMI, ist Oberarzt im Institut für Klinische Chemie und der Klinik für Neurologie des UKSH, Campus Kiel.

Frank Leypoldt – Diagnostik und Therapie der Gehirnentzündung

Seit über 15 Jahren erforscht der Neurologe und Labormediziner PD Dr. Frank Leypoldt unter anderem in Hamburg, Barcelona und seit 2014 am UKSH und der CAU Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) aus verschiedenen Perspektiven. Seine Arbeit hat maßgeblich zur Entwicklung von Tiermodellen, Nachweis der viralen Auslöser und zur Verbesserung der Diagnostik und Therapie beigetragen. Seine hochrangigen Publikationen beschäftigten sich sowohl mit den Auslösern, genetischen Risikofaktoren, immunologischen Mechanismen als auch der Versorgung und Therapie dieser früher oft nicht oder spät erkannten Erkrankungen.

Leypoldt ist Vorstand und Organisator des Deutschen Netzwerks zur Erforschung autoimmuner Enzephalitiden (German Network for Research on Autoimmune Encephalitis GENERATE e.V, www.generate-net.de). Seit 2019 ist er Sprecher des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten nationalen Forschungsnetzwerkes CONNECT-GENERATE. Der Arzt und Wissenschaftler hat über 180 nationale und internationale Lehr- und Fortbildungsvorträge gehalten, mehr als 130 wissenschaftliche Arbeiten publiziert, ist Mitglied in diversen Fachgesellschaften und Teil der Redaktion der renommierten neuroimmunologischen Zeitschrift Neurology N2. Er ist an der Erstellung nationaler und internationaler Leitlinien beteiligt, berät die WHO und engagiert sich in der Öffentlichkeitsarbeit und Patientenselbsthilfe.

Stefan Rose-John – Regulation entzündlicher Prozesse

Professor Stefan Rose-John ist ein international gefragter Experte für das Zytokin Interleukin-6 (IL-6). Er war mehr als 22 Jahre Professor für Biochemie an der Medizinischen Fakultät der CAU und Direktor des Biochemischen Instituts. Seit Oktober 2022 ist er im Ruhestand. Der Biochemiker erkannte schon vor über 25 Jahren die zentrale Bedeutung des Botenstoffs IL-6 im Entzündungsgeschehen und erforschte systematisch seine Struktur und Wirkungsweise. 2001 veröffentlichte er in dem renommierten Wissenschaftsjournal Science die räumliche Struktur, mit der IL-6 an einen seiner Rezeptoren bindet und legte damit eine Grundlage für die weitere Forschung. Er beschrieb außerdem als erster die proteolytische Entstehung eines löslichen IL-6 Rezeptors und den daraus resultierenden IL-6 Trans-Signaling Signalweg. Er wies nach, dass dieser Weg entscheidend für das Auslösen einer chronischen Entzündung ist, während über den klassischen Signalweg Prozesse der Zellerneuerung und der normalen protektiven Immunantwort reguliert werden. Diese Entdeckung ermöglicht es, gezielt nur die entzündungsfördernden Signale von Interleukin-6 zu hemmen. Rose-John entwickelte das Designer-Protein sgp130Fc, das spezifisch den Interleukin-6-Trans-Signalweg blockiert und dadurch Entzündungen hemmt. Unter dem Namen Olamkicept wurde eine Weiterentwicklung des Proteins bereits in klinischen Studien an Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen mit äußerst positiven Ergebnissen getestet.

Rose-John ist von Anfang an Mitglied im DFG-Exzellenzcluster zur Entzündungsforschung und gründete 2010 den Sonderforschungsbereich 877 "Proteolyse als regulatorisches Element der Pathophysiologie" an der CAU, den er seitdem leitet. Er ist gewähltes Mitglied der Hamburger Akademie der Wissenschaften und wurde 2005 mit dem Wissenschaftspreis der Stadt Kiel sowie 2019 mit der Jacob-Henle-Medaille der Universität Göttingen ausgezeichnet.

Porträtfoto
© Tebke Böschen, Exzellenzcluster PMI, Uni Kiel

„Highly Cited Researcher“ in der Kategorie „Cross Field“: Prof. Dr. Stefan Rose, John, Mitglied im Exzellenzcluster PMI, war bis Oktober 2022 Direktor des Biochemischen Instituts der CAU und ist weiterhin Leiter des Sonderforschungsbereichs 877 „Proteolyse als regulatorisches Ereignis der Pathophysiologie“.

Über den Exzellencluster PMI

Der Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen/Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) wird von 2019 bis 2025 durch die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder gefördert (ExStra). Er folgt auf den Cluster Entzündungsforschung „Inflammation at Interfaces“, der bereits in zwei Förderperioden der Exzellenzinitiative (2007-2018) erfolgreich war. An dem neuen Verbund sind rund 300 Mitglieder in acht Trägereinrichtungen an vier Standorten beteiligt: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Muthesius Kunsthochschule, Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) und Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik), Lübeck (Universität zu Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel - Leibniz Lungenzentrum).

Ziel ist es, die vielfältigen Forschungsansätze zu chronisch entzündlichen Erkrankungen von Barriereorganen in ihrer Interdisziplinarität verstärkt in die Krankenversorgung zu übertragen und die Erfüllung bisher unbefriedigter Bedürfnisse von Erkrankten voranzutreiben. Drei Punkte sind im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Behandlung wichtig und stehen daher im Zentrum der Forschung von PMI: die Früherkennung von chronisch entzündlichen Krankheiten, die Vorhersage von Krankheitsverlauf und Komplikationen und die Vorhersage des individuellen Therapieansprechens.

Pressekontakt:

Frederike Buhse
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Exzellenzcluster PMI

Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“
Wissenschaftliche Geschäftsstelle
Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Sonja Petermann
0431/880-4850, Telefax: 0431/880-4894
spetermann@uv.uni-kiel.de
Twitter: PMI @medinflame