Medizin der Zukunft: Chronisch-entzündliche Erkrankungen maßgeschneidert behandeln

Internationale Fachleute diskutieren die neuesten Fortschritte bei der Entwicklung individuellerer Behandlungsstrategien

Seit dem heutigen Montag, 17. Februar, läuft das 7. Internationale Symposium des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) in Hamburg. Auf der hochkarätig besetzten Fachtagung diskutieren rund 250 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Klinik und Grundlagenforschung noch bis Dienstagabend die neuesten Fortschritte in der Entzündungsmedizin. Der Fokus der Veranstaltung liegt dabei auf der sogenannten Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen. Damit ist eine personalisierte Therapie gemeint, die die Unterschiede einzelner Patientinnen und Patienten stärker als bisher berücksichtigt. Ziel ist es u.a. messbare biologische Marker zu finden, die voraussagen zu können, welche maßgeschneiderten Therapien für jeden individuellen Fall eingesetzt werden. Der einladende schleswig-holsteinische Exzellenzcluster PMI hat sich zum Ziel gesetzt, Präzisionsmedizin durch Forschung voranzutreiben und in die medizinische Anwendung zu bringen. Die Translation der Forschungsergebnisse in die Klinik spielt daher auch bei der Veranstaltung eine wichtige Rolle.

Individuelle Unterschiede erkennen und therapeutisch nutzen

Immer mehr Menschen vor allem in den Industrienationen leiden an chronischen Entzündungserkrankungen, wie zum Beispiel Morbus Crohn, Schuppenflechte, Diabetes oder Rheuma. Die Erkrankungen unterscheiden sich nicht nur untereinander, sondern auch von Mensch zu Mensch. So ist Morbus Crohn nicht gleich Morbus Crohn und Rheuma nicht gleich Rheuma. Ein bei einem Betroffenen sehr wirksames Medikament kann beim nächsten deutlich weniger erfolgreich sein. Hier setzt die Präzisionsmedizin an. Dahinter steckt der Ansatz die individuellen Unterschiede zwischen einzelnen Betroffenen bei einer Krankheit zu erkennen und diagnostisch wie therapeutisch nutzbar zu machen. Darauf basierend soll dann in Zukunft die am besten passende Therapie ausgewählt werden.

Vorhersagen, welche Therapie helfen wird

 „Bei chronischen Entzündungserkrankungen haben wir das Problem, dass ein Medikament bei einigen Erkrankten gut wirkt und bei anderen nicht. Aktuell können wir das überwiegend nur durch Ausprobieren herausfinden“, sagt der Cluster-Sprecher Professor Stefan Schreiber, Direktor des Instituts für klinische Molekularbiologie (IKMB) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Direktor der Klinik für Innere Medizin I am UKSH, Campus Kiel. „Schon vor Therapiebeginn vorherzusagen, welche Behandlung bei der individuellen Patientin oder dem individuellen Patienten am erfolgreichsten sein wird, ist daher ein wichtiges Ziel unserer Forschung“, so Schreiber weiter.

Die Identifizierung geeigneter Biomarker, also messbarer Indikatoren, mit deren Hilfe Ärztinnen und Ärzte zukünftig erkennen können, ob eine Therapie wirksamer und besser verträglicher sein wird oder nicht, ist daher auch ein wichtiges Thema auf dem internationalen Symposium in Hamburg. Ein weiteres zentrales Themenfeld ist das sogenannte Darmmikrobiom: Die im menschlichen Darm lebenden Mikroorganismen spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Entzündungserkrankungen, das zeigen immer mehr Studien. Beim Symposium geht es daher unter anderem darum, ob und wie gezielte therapeutische Eingriffe in das Mikrobiom künftig ein wichtiges Instrument der Präzisionsmedizin sein werden.

Innovative Therapiemöglichkeiten für die Anwendung im Hier und Jetzt

Im Rahmen des internationalen Symposiums lädt der Exzellenzcluster am Dienstagabend ab 18:30 Uhr Ärztinnen und Ärzte zum einem klinischen Symposium mit dem Titel „Individualisierte Medizin für chronisch entzündliche Erkrankungen in der Pulmologie, Rheumatologie, Dermatologie und Gastroenterologie“ ins Radisson Blu Hotel, Hamburg Dammtor ein. Inter­nationale und deutsche Expertinnen und Experten geben Ein­blicke in die neuesten Therapiemöglichkeiten entzündlicher Erkrankungen und deren Wirk­mechanismen. Denn noch gehört die Präzisionsmedizin zwar nicht zur Standardbehandlung, doch sie nimmt Fahrt auf. „Für die Behandlung von chronischen Entzündungen sind bereits einige neuartige Medikamente auf den Markt gekommen, mit denen wir die Behandlung noch präziser als bisher an den zugrundeliegenden molekularen Mechanismen der individuellen Betroffenen ausrichten können. Mit der Fortbildung möchten wir den praktizierenden Kolleginnen und Kollegen einen aktuellen Überblick liefern“, sagt Mitorganisator Professor Diamant Thaçi, Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters und Leiter des Exzellenzzentrums Entzündungsmedizin am UKSH, Campus Lübeck.

Weitere Informationen:

Programm des Internationalen Symposiums
Klinisches Symposium

Kontakt:

Prof. Dr. Stefan Schreiber
Klinik für Innere Medizin I, UKSH
Institut für Klinische Molekularbiologie, CAU Kiel, UKSH
0431/500-15101
s.schreiber@mucosa.de

Prof. Dr. med. Diamant Thaçi
Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin
UKSH, Campus Lübeck
0451/500-41600
Diamant.Thaci@uksh.de

Cluster-Sprecher Professor Stefan Schreiber
© C. Kloodt, Exzellenzcluster PMI

Cluster-Sprecher Professor Stefan Schreiber eröffnet das Internationale Symposium „Inflammation Medicine: From Bench to Bedside“ in Hamburg.

Zuhörerinnen und Zuhörer beim Internationalen Symposium 2020.
© C. Kloodt, Exzellenzcluster PMI

Rund 250 deutschsprachige und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Grundlagenforschung und Medizin kommen beim Internationalen Symposium des Exzellenzclusters PMI zusammen.

Professor Diamant Thaçi im Gespräch beim Internationalen Symposium
© C. Kloodt, Exzellenzcluster PMI

Professor Diamant Thaçi, Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters PMI und Leiter des Exzellenzzentrums Entzündungsmedizin am UKSH, Campus Lübeck, ist Mitorganisator des Internationalen Symposium „Inflammation Medicine: From Bench to Bedside“.

Über den Exzellencluster PMI

Der Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen/Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) wird von 2019 bis 2025 durch die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder gefördert (ExStra). Er folgt auf den Cluster Entzündungsforschung „Inflammation at Interfaces“, der bereits in zwei Förderperioden der Exzellenzinitiative (2007-2018) erfolgreich war. An dem neuen Verbund sind rund 300 Mitglieder in acht Trägereinrichtungen an vier Standorten beteiligt: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Muthesius Kunsthochschule, Institut für Weltwirtschaft und Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik), Lübeck (Universität zu Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel - Leibniz Lungenzentrum).

Ziel ist es, die vielfältigen Forschungsansätze zu chronisch entzündlichen Erkrankungen von Barriereorganen in ihrer Interdisziplinarität verstärkt in die Krankenversorgung zu übertragen und die Erfüllung bisher unbefriedigter Bedürfnisse von Erkrankten voranzutreiben. Drei Punkte sind im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Behandlung wichtig und stehen daher im Zentrum der Forschung von PMI: die Früherkennung von chronisch entzündlichen Krankheiten, die Vorhersage von Krankheitsverlauf und Komplikationen und die Vorhersage des individuellen Therapieansprechens.

Pressekontakt:

Frederike Buhse
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Exzellenzcluster PMI

Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“
Wissenschaftliche Geschäftsstelle
Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Sonja Petermann
0431/880-4850, Telefax: 0431/880-4894
spetermann@uv.uni-kiel.de
Twitter: PMI @medinflame