Langzeitfolgen von COVID-19 erkennen und erforschen

Land Schleswig-Holstein fördert COVIDOM-Studie zu Folgeerkrankungen von COVID-19 in Schleswig-Holstein

COVID-19 betrifft zwar meist die Atemwege oder die Lunge, wirkt sich jedoch bereits im Akutstadium auch auf viele weitere Organsysteme aus. Angesichts der Schwere, mit der die Organe zum Teil angegriffen werden, ist davon auszugehen, dass es auch zu langfristigen Schäden in diesen Organen kommen kann. Diese Folgen möchte ein klinisches Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), der Universität zu Lübeck (UzL) und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in einer neuen Studie an schleswig-holsteinischen Sars-COV-2-Infizierten untersuchen. Leiter der Studie ist Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI), Direktor des Instituts für klinische Molekularbiologie (IKMB) an der CAU und dem UKSH und Direktor der Klinik für Innere Medizin I am UKSH, Campus Kiel. Die schleswig-holsteinische Wissenschaftsministerin Karin Prien hat am Donnerstag (11. Juni) bekannt gegeben, dass das Land die zu diesem Zweck geplante COVIDOM-Studie mit 780.000 Euro unterstützen wird.  

„In diesem einzigartigen Projekt werden die wissenschaftlichen Potenziale aus Schleswig-Holstein effizient zusammenführt. Es zeigt die Exzellenz unseres Wissenschaftsstandortes“, sagte Karin Prien bei ihrem Besuch am Donnerstag am UKSH. Schleswig-Holstein leiste seinen Beitrag zur Erforschung von COVID-19 und habe ein eigenes COVID-19-Forschungsförderprogramm in Höhe von insgesamt zwei Millionen Euro aufgelegt, davon sollen neben COVIDOM auch noch weitere Projekte im Land gefördert werden. „Wir sammeln täglich neues Wissen, um Menschen vor dieser Viruserkrankung schützen zu können. Deshalb ist auch diese Investition in die Forschung so wichtig“, betonte sie.

In der COVIDOM-Studie wird untersucht, zu welchen langfristigen Schäden es nach einer COVID-19-Erkrankung kommen kann.  Deren Häufigkeit und die Schwere werden systematisch erfasst. Im Fokus stehen dabei die Lunge, das Herz, die Niere, die Leber, der Stoffwechsel und das Nervensystem.  Das Wissen über mögliche Schäden ist sowohl für die einzelne Patientin und den einzelnen Patienten wichtig, um gegensteuern zu können, als auch für das Gesundheitssystem.

Schleswig-Holstein ist einzigartig geeignet für solche Untersuchungen: Geografisch ist es besonders gut abgegrenzt, durch die Meere und die Grenze zu Dänemark, aber auch die wissenschaftliche Expertise ist besonders hoch. „Den Schäden, die durch COVID-19 entstehen, liegen immer Entzündungen zu Grunde. Damit sind wir durch den Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) und seine in der Entzündungsmedizin besonders erfahrenen und exzellenten Ärztinnen und Ärzte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hervorragend für diese Forschung aufgestellt“, sagt Professor Stefan Schreiber, Leiter von COVIDOM und Sprecher des Exzellenzclusters PMI. „Wir verfügen darüber hinaus über eine besondere Expertise im Bereich populationsrepräsentativer Kohortenstudien bei Patienten und Patientinnen mit chronischen Erkrankungen aber auch der gesunden Bevölkerung in Schleswig-Holstein“, so Schreiber weiter.  Mit der Biobank „popgen“ wurde bereits für andere chronische Erkrankungen gezeigt, dass man hier solche bevölkerungsbezogenen Krankheitskohorten besonders gut aufbauen kann – zum Beispiel um Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder koronare Herzerkrankung zu erforschen. Dieses hat zu international bedeutenden wissenschaftlichen Erfolgen geführt. Das in Schleswig-Holstein erzeugte Wissen hat Relevanz für das gesamte bundesdeutsche Gesundheitssystem und darüber hinaus.

„Mit COVIDOM werden wir Anhand einer klar definierten Gruppe, nämlich den Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteinern, Wissen über mögliche Folgeschäden von COVID-19 schaffen, das dringen nötig ist. Davon werden sowohl die Patientinnen und Patienten, als auch das Gesundheitssystem über die Grenzen unseres Landes hinaus profitieren“, sagt Professor Joachim Thiery, Dekan der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Vorstandsmitglied für Forschung und Lehre am UKSH. „COVIDOM unterstützt zudem die Strategie unserer Fakultät und des UKSH die herausragende Entzündungsforschung in Schleswig-Holstein mit der Infektionsmedizin stärker miteinander zu verbinden. Die hohe wissenschaftliche Kompetenz und “cutting edge”-Infrastruktur in Kiel ermöglichen bereits jetzt internationale Spitzenforschung, die durch COVIDOM zum Nutzen unserer Patientinnen und Patienten einen weiteren Antrieb erfährt. Ich bin daher optimistisch, dass dieser Schwung auch die Basis für einen medizinischen Sonderforschungsbereich bilden wird“, so Thiery weiter.

Alle in Schleswig-Holstein mit SARS-CoV-2 infizierten Bürgerinnen und Bürger sollen die Möglichkeit bekommen an COVIDOM teilzunehmen. Die Teilnehmenden werden zunächst im einem Telefongespräch und später vor Ort im UKSH genau befragt. Zudem erhalten sie im UKSH einen sehr tiefgehenden, umfangreichen Gesundheitscheck. Über einen längeren Zeitraum werden beispielsweise verschiedene Organe, allen voran die Lunge, mit modernster Bildgebung untersucht..  Dabei setzt das UKSH seine gesamte technische Kapazität ein, um den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern diese Gesundheitsvorsorge zu bieten und gleichzeitig für das bundesweite Gesundheitssystem und ganz Europa Daten zu liefern, mit welchen Folgen durch COVID-19 in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen ist. Eine weitere Besonderheit ist, dass jede Patientin und jeder Patient, sowie deren Hausärztinnen und Hausärzte die Daten aus den Untersuchungen in medizinischer Qualität zur weiteren Verwendung erhalten.

Kontakt:

Prof. Dr. Stefan Schreiber
Klinik für Innere Medizin I, UKSH
Institut für Klinische Molekularbiologie, CAU Kiel, UKSH
0431/500-15101
s.schreiber@mucosa.de

 

Drei Personen sitzen an einem Tisch.
© Exzellenzcluster PMI

Wissenschaftsministerin Karin Prien lässt sich die COVIDOM-Studie vorstellen, mit Professor Stefan Schreiber (links im Bild), Leiter der Studie und Sprecher des Exzellenzclusters PMI, und Professor Joachim Thiery (rechts im Bild), Dekan der Medizinischen Fakultät der CAU.

Mehrere Personen an einem Konferenztisch
© Exzellenzcluster PMI

Die Fachleute der Studie stellten Schwerpunkte von COVIDOM vor.. v.l.: Dr. Thomas Bahmer, Pneumologe, Prof. Dr. Olav Jansen, Direktor der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie, Prof. Dr. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie, und Prof. Dr. Stefan Schreiber, Leiter der COVIDOM-Studie und Direktor der Klinik für Innere Medizin I, alle am UKSH, Campus Kiel.

Über den Exzellencluster PMI

Der Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen/Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) wird von 2019 bis 2025 durch die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder gefördert (ExStra). Er folgt auf den Cluster Entzündungsforschung „Inflammation at Interfaces“, der bereits in zwei Förderperioden der Exzellenzinitiative (2007-2018) erfolgreich war. An dem neuen Verbund sind rund 300 Mitglieder in acht Trägereinrichtungen an vier Standorten beteiligt: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Muthesius Kunsthochschule, Institut für Weltwirtschaft und Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik), Lübeck (Universität zu Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel - Leibniz Lungenzentrum).

Ziel ist es, die vielfältigen Forschungsansätze zu chronisch entzündlichen Erkrankungen von Barriereorganen in ihrer Interdisziplinarität verstärkt in die Krankenversorgung zu übertragen und die Erfüllung bisher unbefriedigter Bedürfnisse von Erkrankten voranzutreiben. Drei Punkte sind im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Behandlung wichtig und stehen daher im Zentrum der Forschung von PMI: die Früherkennung von chronisch entzündlichen Krankheiten, die Vorhersage von Krankheitsverlauf und Komplikationen und die Vorhersage des individuellen Therapieansprechens.

Pressekontakt:

Frederike Buhse
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Exzellenzcluster PMI

Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“
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0431/880-4850, Telefax: 0431/880-4894
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