Kiel Microbiome Platform unterstützt wegweisende Studie zum Einfluss des mütterlichen Mikrobioms auf das Darmmikrobiom von Säuglingen
Eine große internationale Studie unter Beteiligung von Andre Franke und Corinna Bang vom Institut für Klinische Molekularbiologie, die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, liefert neue Erkenntnisse darüber, wie das mütterliche Mikrobiom die Entwicklung des Darmmikrobioms von Säuglingen im ersten Lebensjahr prägt.
Die Studie untersuchte 714 Mutter-Kind-Paare aus der Geburtskohorte Lifelines NEXT und zeigte, dass das mütterliche Darmmikrobiom die wichtigste Quelle für jene Bakterien ist, die den Darm des Säuglings besiedeln. Im Rahmen der Studie führten Forschende des University Medical Center Groningen gemeinsam mit internationalen Kooperationspartnern eine der bislang umfassendsten Untersuchungen des Darmmikrobioms während der Schwangerschaft und in der frühen Lebensphase durch.
Die Ergebnisse zeigen, dass neben der Übertragung von Mikroorganismen von der Mutter auch Faktoren wie die Art der Entbindung und die Ernährung des Säuglings einen starken Einfluss auf die Entwicklung des kindlichen Darmmikrobioms haben. Auch Faktoren vor und während der Schwangerschaft sowie Umwelteinflüsse standen mit der Entwicklung des Mikrobioms in Zusammenhang. Besonders relevant ist der festgestellte Zusammenhang zwischen dem mütterlichen Darmmikrobiom und dem Auftreten von Ekzemen beim Säugling. Dies unterstreicht die mögliche Bedeutung der mikrobiellen Gesundheit der Mutter für die Gesundheit des Kindes.
Die Studie stellt eine umfangreiche Grundlage für das Verständnis der Entwicklung des Mikrobioms im Säuglingsalter dar und zeigt, wie mikrobielle Einflüsse in der frühen Lebensphase die Gesundheit möglicherweise beeinflussen. Zukünftige Untersuchungen innerhalb der Lifelines-NEXT-Kohorte sollen die Studie auf 1.500 Mutter-Kind-Paare ausweiten und zusätzliche mikrobielle Lebensräume sowie Daten zum Immunsystem einbeziehen.
Einen wesentlichen experimentellen Beitrag zu dieser groß angelegten Studie leistete die Kiel Microbiome Platform. Die Ergebnisse verdeutlichen die Bedeutung einer zuverlässigen Probenaufbereitung und Sequenzierung als Grundlage für groß angelegte, longitudinale Studien zum Mikrobiom. Die Kiel Microbiome Platform bündelt die Infrastruktur und Expertise für die Mikrobiomforschung an der Universität zu Kiel. Ihre Kapazitäten ermöglichen die Aufbereitung und molekulare Charakterisierung von Mikrobiomproben und fördern damit die Zusammenarbeit über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg.
Den vollständigen Beitrag finden Sie hier: University Medical Center Groningen – New research highlights the maternal impact on the infant gut microbiome and health.
Original Publikation:
Sinha T, Brushett S, Fernández-Pato A, Garmaeva S, Andreu-Sánchez S, Spreckels JE, Mallon CA, Kuzub N, Gois MB, Wu J, Kruk M, Jankipersadsing SA, Dekens JAM, Gacesa R, Vila AV, Bang C, Perenboom C, Franke A, Tytgat HLP, Mottaz SC, Peters L, de Jonge A, Verkade HJ, Swertz MA, Wijmenga C, Kuipers F, Scherjon S, Sikkema J, Sprikkelman AB, de Kroon MLA, Prins JR, Gordijn SJ, Koppelman GH, Reijneveld SA; Lifelines NEXT cohort study; Fu J, Yassour M, Kurilshikov A, Zhernakova A.
Maternal influences on infant gut microbiome and health.
Nature. 2026 Aug 12. doi: 10.1038/s41586-026-10922-9.

Dr. Corinna Bang, Leiterin des Mikrobiomlabors am Institut für Klinische Molekularbiologie der CAU und des UKSH, Campus Kiel

Prof. Andre Franke, Direktor des IKMB, Gruppenleiter Immunogenetics & Bioinformatics
Über den Exzellenzcluster PMI
Der Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen / Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) startet 2026 in seine zweite Förderphase (2026–2032) und erhält damit bereits die vierte aufeinanderfolgende Förderung in der Entzündungsforschung. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern hat gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Förderung im Rahmen der Exzellenzstrategie bewilligt.
Der Cluster knüpft an den erfolgreichen Vorgänger „Inflammation at Interfaces“ (2007–2018) sowie an die erste PMI-Förderperiode (2019–2025) an. In dem interdisziplinären Verbund engagieren sich rund 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Trägereinrichtungen: die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die Universität zu Lübeck, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, das Forschungszentrum Borstel – Leibniz Lungenzentrum, die Muthesius Kunsthochschule, das Kiel Institut für Weltwirtschaft, das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik sowie das Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie.
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