Von klinischer Evidenz zum Mechanismus: Studie zu intravenösen Eisenpräparaten und Frakturrisiko auf dem Cover von Blood
Eine internationale translationale Studie unter Beteiligung von Forschenden des IKMB verbindet klinische Daten mit experimenteller Biologie und zeigt, warum die Wahl des intravenösen Eisenpräparats von Bedeutung sein kann.
Eine translationale Studie unter Beteiligung von Dr. Michel V. Hadjihannas und Prof. Dr. Andre Franke vom Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein zeigt klinisch relevante Unterschiede zwischen intravenösen Eisenpräparaten. Die Arbeit erschien als Plenary Paper und wurde auf dem Cover von Blood, Band 148, Ausgabe 1, hervorgehoben.
Eine Eisenmangelanämie wird häufig mit intravenösen Eisenpräparaten behandelt – insbesondere dann, wenn oral verabreichtes Eisen nicht ausreichend wirkt oder ein rascher Ausgleich des Eisenmangels erforderlich ist. Obwohl verschiedene Präparate demselben therapeutischen Ziel dienen, können sich ihre Wirkungen über die reine Eisensubstitution hinaus unterscheiden.
Das internationale Forschungsteam untersuchte Eisencarboxymaltose, ein häufig eingesetztes intravenöses Eisenpräparat, und verglich dessen Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel mit Eisenderisomaltose. Durch die Verbindung klinischer Patientendaten mit Experimenten in Mausmodellen der Eisenmangelanämie zeigte das Team, dass Eisencarboxymaltose mit einem erhöhten Frakturrisiko assoziiert war. In den experimentellen Modellen war zudem die Knochenneubildung vermindert. Die experimentellen Arbeiten lieferten damit biologische Hinweise darauf, wie sich das klinische Signal durch Veränderungen im Knochengewebe erklären lässt.
„Die präzisionsmedizinische Frage lautet nicht nur, ob ein Eisenmangel behandelt werden sollte, sondern welches Präparat im jeweiligen Fall am besten geeignet ist – insbesondere dann, wenn wiederholte Behandlungen erforderlich sind“, sagt Dr. Michel V. Hadjihannas, einer der korrespondierenden Autoren der Studie. Er war maßgeblich an der Ausgestaltung der klinisch-translationalen Analyse und an der Zusammenführung der patientenbezogenen Daten mit den mechanistischen Befunden beteiligt.
Die Verknüpfung der klinischen Beobachtungen mit experimenteller Biologie war für die Studie entscheidend. Dadurch konnte das Forschungsteam über die Beschreibung einer Assoziation hinausgehen und einer plausiblen biologischen Erklärung für die Unterschiede zwischen den Präparaten nachgehen.
Die Ergebnisse könnten insbesondere für die Auswahl intravenöser Eisenpräparate bei Patientinnen und Patienten relevant sein, die voraussichtlich wiederholt Infusionen benötigen. Zugleich veranschaulichen sie ein Grundprinzip der Präzisionsmedizin: Arzneimittel derselben therapeutischen Klasse können sich klinisch bedeutsam unterscheiden. Bei der Wahl einer Behandlung sollten daher neben der Wirksamkeit auch individuelle Risiken für mögliche Komplikationen berücksichtigt werden.
Diese translationale Perspektive entspricht den Zielen des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI): Komplikationen und individuelle Reaktionen auf eine Behandlung besser vorherzusagen und interdisziplinäre Forschung in eine verbesserte Patientenversorgung zu überführen.
Die Arbeit wird zudem in einem begleitenden Editorial und in ASH Clinical News aufgegriffen – ein Ausdruck des breiten wissenschaftlichen und klinischen Interesses an den Ergebnissen.
Links:
ashpublications.org/blood/article/148/1/15/567279/Ferric-carboxymaltose-increases-fracture-risk-in
https://ashpublications.org/blood/article/148/1/1/569398/A-bone-to-pick-with-ferric-carboxymaltose
ashpublications.org/blood/issue/148/1
https://ashpublications.org/ashclinicalnews/news/9239/IV-Iron-Formulation-Increases-Risk-of-Fracture
Originalpublikation
Wagner SA, Panzer M, Pertler E, et al.
Ferric carboxymaltose increases fracture risk in patients and reduces bone formation in mice with iron deficiency anemia.
Blood. 2026;148(1):15–30.
doi: 10.1182/blood.2025031806

Dr. Michel V. Hadjihannas and the cover of Blood, Volume 148, Issue 1.
Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Michel V. Hadjihannas
Institute of Clinical Molecular Biology
University Hospital Schleswig-Holstein / Kiel University
m.hadjihannas@ikmb.uni-kiel.de
Über den Exzellenzcluster PMI
Der Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen / Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) startet 2026 in seine zweite Förderphase (2026–2032) und erhält damit bereits die vierte aufeinanderfolgende Förderung in der Entzündungsforschung. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern hat gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Förderung im Rahmen der Exzellenzstrategie bewilligt.
Der Cluster knüpft an den erfolgreichen Vorgänger „Inflammation at Interfaces“ (2007–2018) sowie an die erste PMI-Förderperiode (2019–2025) an. In dem interdisziplinären Verbund engagieren sich rund 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Trägereinrichtungen: die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die Universität zu Lübeck, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, das Forschungszentrum Borstel – Leibniz Lungenzentrum, die Muthesius Kunsthochschule, das Kiel Institut für Weltwirtschaft, das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik sowie das Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie.
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