Bruhn- und Hensel-Preise für Medizinforschung in Kiel verliehen
Ausgezeichnet wurden der Immungenetiker Dr. Hesham ElAbd für seine Forschung zu immunvermittelten Erkrankungen und der Biochemiker Prof. Dr. Paul Saftig für sein Lebenswerk.
Die Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und die Bruhn-Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung vergaben am Dienstag (2.12.2025) die zwei höchst dotierten Preise der Fakultät während einer feierlichen Veranstaltung:
- Dr. Hesham ElAbd vom Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB), CAU und UKSH, erhielt den Förderpreis der Bruhn-Stiftung in Höhe von 40.000 Euro
- Prof. Dr. Paul Saftig vom Biochemischen Institut der CAU erhielt den Hensel-Preis in Höhe von 100.000 Euro
Professor Joachim Thiery, Dekan der Medizinischen Fakultät der CAU, dankte in einer Videobotschaft der Stifterin Dr. Annegret Bruhn und ihrem riesigen Engagement für die Fakultät. Der Bruhn-Förderpreis sei insbesondere für junge Forschende „von unschätzbarem Wert, um in ihrer wissenschaftlichen Karriere weiterzukommen.“ Und an die Preisträger gerichtet sagte er: „Sie sind leuchtende Vorbilder der Wissenschaft.“
Preisträger Bruhn-Förderpreis 2025: Dr. Hesham ElAbd
Dr. Hesham ElAbd studierte in Kairo und Greenwich Pharmaceutical Sciences und in Kiel Medical Life Sciences. 2022 promovierte er am IKMB zum Thema „Modeling HLA-II Immunopeptidomes Using Deep Multimodal Models“. Seit 2022 arbeitet er als Postdoktorand am IKMB und ist Mitglied im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI). Forschungsschwerpunkt von ElAbd ist die Immunogenetik chronisch entzündlicher Erkrankungen. Er untersucht das Repertoire des Immunsystems bei entzündlichen, immunvermittelten Erkrankungen und nutzt dafür moderne Hochdurchsatzverfahren. Ziel der Forschung ist unter anderem, jene T-Zell-Gruppen zu identifizieren, die bei immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen eine Rolle spielen und herauszufinden, welche Antigene zur Entstehung der Erkrankung beigetragen haben können. So konnte er einen Zusammenhang zwischen der chronischen Gallengangsentzündung PSC (primär sklerosierende Cholangitis) mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber nachweisen. Bei Menschen mit PSC liegt offenbar eine verstärkte Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus, dem Erreger der Infektionskrankheit, vor, wie die Studie ergab. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht.
„Dr. ElAbd ist ein Forscher, der Vorbild ist“, sagte Laudator Professor Stefan Schreiber, IKMB-Direktor und Direktor der Klinik für Innere Medizin I des UKSH, Campus Kiel. Er verbinde analytische Präzision mit kreativer wissenschaftlicher Vorstellungskraft und zeige, wie man translationale Bereiche erkunden kann. Aus dem Gutachten zitierte er: „Seine wissenschaftliche Laufbahn trägt klar eine internationale Handschrift der Exzellenz.“ Anschließend verlieh er Dr. Hesham ElAbd den Bruhn-Förderpreis für seine Promotion und seine besonderen Leistungen auf dem Gebiet der Immunogenetik chronisch entzündlicher Erkrankungen.
Preisträger Hensel-Preis: Prof. Dr. Paul Saftig
Paul Saftig studierte an den Universitäten Bonn und East Anglia, Norwich, promovierte an der Universität Göttingen und schloss dort auch seine Habilitation ab. Seit Dezember 2001 ist er Professor für Biochemie und Direktor am Biochemischen Institut der CAU und Mitglied im Exzellenzcluster PMI. In seiner Forschung analysiert er insbesondere die Enzyme innerhalb von Lysosomen, dem „Recyclingsystem“ der Zelle sowie Enzyme, die zur gezielten Spaltung von Proteinen an der Plasmamembran beitragen. Erkenntnisse aus diesen Grundlagenforschungsprojekten sind zum Beispiel relevant für lysosomale Speichererkrankungen wie die alpha Mannosidose und neurodegenerative Erkrankungen wie die Alzheimer Erkrankung. Für seine Forschung zum besseren Verständnis der Alzheimerkrankheit wurde er 2010 mit dem Alzheimer-Forschungspreis der Hans und Ilse Breuer-Stiftung ausgezeichnet. 2019 erhielt er von der Europäischen Kommission den Horizon Impact Award für seine Forschung zur alpha Mannosidose und die Entwicklung einer neuen Therapie.
„Der Hensel-Preis ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung unserer Fakultät. Damit würdigen wir nicht nur ein spannendes und preiswürdiges Projekt, sondern insbesondere deine Prägung des Forschungsstandorts und deine wichtigen Beiträge zur Zellbiologie, Lysosomen und Proteasen“, sagte Forschungsdekan Professor Philip Rosenstiel in seiner Laudatio. Er verlieh Professor Paul Saftig den Hensel-Preis, für seine Grundlagenforschung und die exzellenten klinisch-translationalen Forschungsleistungen auf dem Gebiet der lysosomalen Speichererkrankungen und Neurodegeneration mit den Worten: „Du stehst für methodisch präzise Grundlagenforschung, die immer den Anspruch verfolgt, in der Klinik anzukommen.“
Mit dem Fördergeld der Hensel-Stiftung möchte Saftig die Regulierung des Enzyms ADAM10 analysieren. Dieses Enzym spielt eine Rolle bei der Entstehung der Alzheimerkrankheit. „Die Arbeit untersucht, wie das Alzheimer-relevante Enzym ADAM10 durch bestimmte Veränderungen nach seiner Herstellung gesteuert wird“, erklärt Saftig. Ziel sei zu verstehen, wie diese Modifikationen die Aktivität und Substratspezifität von ADAM10 beeinflussen. Darauf aufbauend sollen gezielte Veränderungen dieser Modifikationen neue therapeutische Ansätze für neurologische Erkrankungen wie Alzheimer ermöglichen.
Text: Kerstin Nees
Hintergrund Bruhn-Preis
Seit 2010 unterstützt die Stiftung der ehemaligen Lehrbeauftragten Dr. Annegret Bruhn und Professor Hans-Dietrich Bruhn den Nachwuchs und die medizinische Forschung an der CAU. Hervorragende Promotionen oder andere herausragende Forschungsleistungen und Projekte junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ärztinnen und Ärzte in der Medizin werden durch einen jährlich zu vergebenden Förderpreis unterstützt. Gefördert werden experimentelle oder klinische Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der personalisierten Medizin, die neue molekulare Marker oder komplexe molekulare Untersuchungsmethoden mit einer Option für die Translation in die klinische Medizin einbeziehen. Im Jahr 2025 ist der Förderpreis mit 40.000 Euro dotiert.
Hintergrund Hensel-Preis
Der Hensel-Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen an der Medizinischen Fakultät und wird alle drei Jahre von der Hensel-Stiftung vergeben. Die Hensel-Stiftung wurde im Jahr 1993 vom Ehepaar Irmgard und Walther Hensel zur Förderung der medizinischen Forschung gegründet. Im Jahr 2025 hat die Hensel-Stiftung den mit 100.000 Euro dotierten Hensel-Preis ausgeschrieben. Diese Auszeichnung ehrt herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren außergewöhnliche Forschungsleistung im Bereich der Medizin in den letzten fünf Jahren maßgeblich zur strategischen und strukturellen Weiterentwicklung sowie Stärkung der Fakultät beigetragen hat. Das Preisgeld ist zweckgebunden und dient der Durchführung weiterer wissenschaftlicher Projekte.


